NFTs

Kunst in der Blockchain

 

 

In Anbetracht dieses hoch spannenden und aktuellen Themas habe ich mich intensiv mit NFTs (Non Fungible Token) und der Blockchain auseinandergesetzt. Quasi alles, was digitalisiert werden kann, kann auch prinzipiell als NFT gespeichert werden. Bei meinen Recherchen zu einem Vortrag zu diesem Thema bin ich auf einige gravierende Probleme gestoßen, aber greifen wir nicht vor. Ich wollte auch für mich selbst klären, ob ich Werke als NFTs sichern sollte oder besser nicht.

 

NFTs, die auf die Blockchain geprägt ("geminted") werden, versprechen Sicherheit, Knappheit und Authentizität. Es klingt verführerisch, ein Werk das für die Ewigkeit an einem absolut sicheren Ort (der Blockchain) authentisch konserviert ist - ein digitales doch einzigartiges Objekt im Internt.

 

 

Was ist diese ominöse Blockchain (Blockkette), mögen Sie sich nun fragen?

 

 

Es handelt sich vereinfacht ausgedrückt, um eine Verkettung von unveränderlichen und untauschbaren Datenblöcken, die ein Register bilden. Die einzelnen Blöcke sind in ihrer Datenmenge limitiert. Bei der BitCoin-Chain oder Ethereum beträgt die Blockgröße 1Mb perspektivisch 8Mb (nach einer Umstellung).

 

Es ist die selbe Technologie, auf der auch Kryptowährungen wie der BitCoin basieren. Daten (wie Transaktionen oder NFTs) die einmal in dieses Register eingetragen sind, können nicht mehr geändert werden. Beziehungsweise werden veränderte Ketten im Falle einer Manipulation entwertet und ausgesiebt. Dies liegt an der Verschlüsselung, dem so genannten "Hash", der auf dem Hash des vorherigen Datenblocks aufbaut und an einem demokratischen Kontrollsystem, aller Teilhaber der Kette. Jeder Teilhaber besitzt eine Kopie der jeweiligen Blockchain (es gibt verschiedene) und kann diese mit den anderen Kopien vergleichen, wodurch manipultierte Ketten ermittelt werden können. Für neue Daten müssen also neue Blöcke erstellt und mit der Kette verknüpft werden, was bei der BitCoin-Chain gegenwärtig ca. alle 10 Minuten passiert.

 

Nun mögen Sie sich fragen, wie denn eine Bilddatei (z.B. ein JPEG) oder eine Musikdatei, deren Größe leicht ein Megabite übersteigen kann, als NFT auf der Blockchain Platz findet. Ganz einfach: tut sie nicht. Das würde für viel zu viel Datenumsatz sorgen. Nein, es handelt sich bei der Blockchain, um ein Register und dementsprechend, wird nur ein Registereintrag über den genauen Aufenthaltsort des NFT (der Link zu einem Server) erstellt. Somit haben wir auch schon das erste Problem erreicht: NFT ungleich Blockchain.

 

Wird der Server, auf dem das NFT liegt, abgeschaltet, die Datei vom Server gelöscht oder ausgetauscht, endet der registrierte Weg im nichts. Es ist, als hätte man den sicher eingetragenen Weg zu einer Garage gekauft, in der ein Motorrad steht. Eines Tages ist das Gebäude möglicherweise einfach abgebrandt, das zu sichernde Motarrad ist weg oder es steht ein verrosteter Traktor dort, wo das Motorrad einst stand. Ein anderes Beispiel wäre ein ausgeliehenes Buch einer Bibliothek, welches an die falsche Stelle zurück gestellt wird oder nicht zurückgebracht werden kann. Der Eintrag im Bibliotheksregister wäre in diesen Fällen ohne Wert.

 

Es gibt zwar ein dezentrales Sicherungssystem (IPFS), das verhindern soll, dass NFTs einfach verschwinden, aber auch IPFS-Server können abschalten und Dateien löschen, wenn länger nicht auf diese zugegriffen wird. Außerdem sind die Metadaten (die Beschreibung) des NFTs, soweit ich gelesen habe, immernoch zentral gesichert und für Hacking zugänglich. Das Interplanetary File System (IPFS) ist nicht für die Sicherung von NFTs entwickelt worden und somit nicht für eine absolut sichere Langzeitspeicherung, die notwendig wäre, um den Ansprüchen von NFTs gerecht zu werden. Ein weiterer Behelf sind so genannte "Pinning services", die für Geld dafür sorgen, dass gespeicherte NFTs (bzw. zugehörige IPFS-nodes) nicht vergehen... Wer garantiert mir jedoch, dass der Pinning-Dienst-Anbieter, der mein NFT sichern soll, nicht in 5 Jahren bankrott geht oder einen Fehler macht? Die Sicherheit ist damit schon recht relativiert. Es reicht offenbar nicht, der rein technischen Blockchain zu vertrauen, die einen wesentlichen Anteil am Wert des NFTs hat. Man muss auch Serverbetreibern und anderen Dienstanbietern vertrauen, über die man in der Regel keine Kontrolle hat.

 

 

 

Aber das System kann noch so perfekt sein, letztlich ist es nur so sicher, wie das schwächste Zahnrad und das ist weder die Blockchain, noch der Server oder der Pinninganbieter, nein, die große Schwachstelle ist der Anwender selbst. Es sind bereits teure NFTs durch so genanntes "Phishing" entwendet worden, wie das Bored Ape Token, des Schauspieler Seth Green (Einkaufspreis 200.000 US$). Wenn man seinen Computer nicht ausreichend absichert, kann man beispielsweise Opfer eines Keyloggers werden, der Passwörter mitschreibt. Oder man lässt sich wie Herr Green hereinlegen und gibt den Accountzugang zu seiner Blockchain frei. Man kann aber auch einfach sein Passwort vergessen oder Hardware-Wallet verlieren oder Hardware kann defekt sein. Klar, kann man das Passwort sicherheitshalber aufteilen, nur was ist, wenn die Teile bei einem Umzug verschwinden oder die Personen versterben, die es aufbewahren sollten? Menschen sind sehr unzuverlässig und es können Tausend Dinge passieren, insbesondere innerhalb von Jahrzehnten. Wie oft habe ich schon ein Passwort vergessen oder Dinge verlegt (sicher versteckt)? Zu oft. Was ist wenn ich dement werde und meine Erben wissen nichts davon? Wenn man den Zugang zu seiner Wallet verliert, verliert man womöglich unwiederbringlich seine, daran geknüpften, digitalen Werke. Man kann sich schließlich nicht einfach ein neues Passwort zuschicken lassen....  

 

 

 

Soviel zur ideellen Sicherheit, aber das sind nicht die einzigen Probleme, denn die mittelbare Sicherheit selbst ist auch ein Problem.

Außederm kann jeder Mensch leicht ein NFT von einem Bild oder Musikstück ohne Zustimmung des tatsächlichen Rechteinhabers erstellen. Ein Grund warum ich meine Galerie offline genommn habe. Das Urheberrecht ist wie im Internet generell sehr schwierig zu verteidigen und dabei helfen NFTs real wenig. Es ist für den Künstler schwierig herauszufinden, dass ein dritter die eigenen Bilder anderweitig verwendet, geschweige denn auf einer Plattform als NFTs hochgeladen hat. Selbst wenn man NFTs der eigenen Werke entdeckt, muss man die Plattform wie Opensea erstmal dazu bringen, diese zu löschen. NFTs sind aber nicht dazu gedacht gelöscht zu werden und die Plattformen können sich quer stellen.

 

Die schon erwähnten Bored Ape Token scheinen übrigens offenbar ein Mittel rechter Kreise zu sein, sich zu refinanzieren - ein so genannter "Troll" oder eine "Verarsche" könnte man auf Deutsch wohl sagen - verzeihen Sie den Ausdruck, aber ein besseres Wort ist mir dazu nicht eingefallen. Man findet bei diesen Affendarstellung klassisch rechte und rassistische Motive, wie Affen, die eine Karte mit einem "J" am Hut tragen, was früher ein Erkennungszeichen für Juden war, um nur ein Beispiel zu nennen. Der Affe selbst ist schon ein entwertendes Symbol der rechten Alt-Right-Bewegung aber auch anderer Rechter für "Normalos". Deshalb findet man auch kaum heraus, wer die Verantwortlichen hinter diesen Tokens sind, die mittlerweile viele Millionen US-Dollar mit den Tokens verdient haben. Es gibt dazu ein interessantes englischsprachiges Video auf YouTube, falls Sie sich weitergehend dazu informieren wollen.  Suchen Sie einfach auf YouTube nach BAYC dark secret...

 

Ich habe mich jedenfalls dagegen entschieden meine Bilder in NFTs umzuwandeln...

 

Mit freundlichen Grüßen

Clas Kolem

 

17.09.2022